Liebe Mama

Tomadrian über seine Mutter, die eine bessere Ratgeberin als Google ist.

Du solltest mir eigentlich peinlich sein. Mit dir durch die Stadt laufen, das darf niemand sehen. Das hübsche Mädchen aus der Parallelklasse sah uns. Zusammen, lachend. Was sie wohl dachte, als aus wir aus dem gleichen Eisbecher aßen. “Hat der keine Freunde?” “Warum ist der mit seiner Mum unterwegs?” Als wir weiterlaufen, streift sie mich. Jetzt hat sie mich sicher erkannt. Erwischt mit dir, meine Mutter.

Du solltest mir eigentlich peinlich sein. Mit dir durch die Stadt laufen, das darf niemand sehen.

Wenn ich aus der Schule komme, bist du schon in der Küche. Küchenschürze umgebunden. Der Rucola-Salat ist fast fertig, die Tomaten fehlen noch. Du weißt, dass ich auch noch Gurken haben möchte. Während ich esse, sitzt du neben mir, fragst mich über Neuigkeiten aus. Du weißt so viel über mich. Ich erzähle dir alles. Wenn es mir schlecht geht, geht es dir schlecht. Du tröstest mich am Telefon, am Bett, im Auto. Du bist ein Ratgeber. Ein besserer als Google. Als ich dich in der Schule als Tier malen musste, entschied ich mich für einen Schwan. Die Flügel können verteidigen. Der Schnabel schreit auch mal. Das weiße Gefieder zeigt Stolz und Eleganz. Noch wichtiger war mir, das Tier der Liebe zunehmen. Der tiefen Geborgenheit. Ja, das war mir sehr wichtig. Diesen Brief mit “Ich liebe dich” zu beenden, wäre falsch. Mir fehlen einfach die Worte.

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